Hans-Joachim Hopfe, Bereichsleiter „Wohnen & Leben“ Lebenshilfe Rotenburg-Verden

„Auch wir sind betroffen.“

Gibt Mitarbeitern und betreuten Menschen in Behinderteneinrichtungen eine Bühne.

„Wir haben uns lange Zeit gar nicht in öffentlichen Debatten vertreten gefühlt. Das ist traurig.“

Augen auf, Ohren auf: Immer wieder schreckte Hans-Joachim Hopfe in den vergangenen Wochen hoch, wenn es News gab. Nachrichten zu Corona. Aufpassen. Doch ob Sendung im TV, Radiobeitrag oder neue Berichterstattung in der Zeitung – der Bereichsleiter fand lange Zeit nicht, was er suchte: Aufmerksamkeit für die Arbeit in den Behinderteneinrichtungen. Regeln, Hinweise, Hilfe für die Mitarbeiter und Betreuer. Für die Menschen mit geistiger Behinderung. Für den Umgang mit Corona in deren Alltag, im betreuten Wohnen und in der Heilerziehungspflege.


Peter Schäfer & Eduard Hermann, Street Workout Rotenburg (SwoRow)

Kraftpakete mit Botschaft.

Trainieren im Team, mit Körper und Köpfchen.

„Es ist egal, mit welchem Ruf man bei uns reinkommt – es schwitzen alle gleich.“

Herkunft, Bildungsstand und Alter. Alles Dinge, die im Street Workout Rotenburg (SwoRow) gekonnt übersprungen werden, und zwar im akrobatisch hohen Bogen. Hier konzentriert man sich auf das, was jeder Mensch selbst in der Hand hat. Auf das, was man selbst, aus eigener Kraft beeinflussen kann: sportliche Leistung, Disziplin, Wille und Ehrgeiz, Zusammenhalt. Als reines Sozialprojekt von Streetworker Eduard Hermann gestartet – durch neue Ideen und ausdauernden Einsatz der Sportler zu einer der gefragtesten Anlaufstellen in Rotenburg gemausert: Bei SwoRow herrscht Teamgeist.


Norbert Behrens, Architekt & Geschäftsführer PGN

Zeichnet sein Leben – nicht andersrum.

Sieht die große Chance für moderne, effiziente Lebensentwürfe.

„Kreative Menschen haben gerade mehr Raum zum Denken.“

Andere Zeiten, andere Gedanken. Wo auch sonst viel um die Ecke gedacht, kreiert und mit Plan vorausgeschaut wird, steht die innere Welt während Corona nicht still. Je leerer die Straßen und Städte, desto voller die Köpfe. ‚Unsere Kreativen drehen teilweise völlig durch, im Positiven, zum Beispiel unsere Jungarchitekten‘, erzählt Norbert Behrens, ist begeistert. Und auch er selbst merkt: ‚Ich bin zurzeit wieder viel mehr am Kreieren, ich habe mehr Zeit. Und bin sehr fokussiert.‘


Jan Maier, Kneipenchef im Schmidt’s

Macht jetzt kein Fass auf.

Freut sich auf die gewohnt guten Kneipennächte.

„Wir haben hier ein Credo: Wer zur Tür reinkommt, lässt alles hinter sich und feiert das Leben.“

Politische Gesinnung, Religion, kulturelle Prägung, Geschmack. Wer im Schmidt’s einkehrt, gibt eigenbrötlerisches Denken, streitbare Themen und Vorurteile an der Garderobe ab. Die Jacke darf mit rein. ‚Lebe dein Sein, sagen wir‘, zitiert Jan Maier die Worte, die den Kneipennamen seit vielen urigen Jahren begleiten und begründen. Hier wird gefeiert, und zwar mit allen zusammen, über Themen- und Tischgrenzen hinaus. Das ist das, was das Schmidt‘s besonders macht, findet Jan. ‚Wer geht, kann seinen Gedanken-Krams gern wieder einsammeln und mitnehmen oder noch besser: einfach liegen lassen und stattdessen mit gutem, geerdeten Gemeinschaftsgefühl nach Hause gehen.‘


Petra Vermehren, Krankenpflegerin & Schauspielerin

Schützerin mit Herz.

Trägt Masken im Beruf medizinisch und privat im Leo-Muster.

„Ein komplettes Krankenhaus ohne eine einzige Blume. Das muss man sich mal vorstellen.“

Es ist ein trauriges Bild, das Petra Vermehren beschreibt. Und sie hört oder liest nicht nur davon, sie sieht es, jeden Tag. Seit Besuchsverbote gelten und dafür Corona potenziell durch die Flure weht, ist das Agaplesion Diakonieklinikum blumenlos. Mitbringselfrei, weil besucherfrei, hygienisch, clean. Die Krankenpflegerin schluckt schwer. ‚Wenn jemand bei uns auf Station stirbt, sorge ich sonst immer schnell für eine Blume. Ein Kinderspiel, die stehen sonst überall. Jetzt finde ich keine.‘ Sicher nicht das schwerwiegendste Problem in Krisenzeiten, sagt sie, und doch – es zeigt, wie schwer etwas so Leichtes, eine so kleine Geste, die plötzlich fehlt, wiegen kann.


Julien Backhaus, Autor & Zeitschriftenverleger

Ist ein Macher.

Macht das Beste aus allem – nicht nur in der Krise.

„Gute Egoisten gehen stark in die Krise. Wer stark ist, kann auch anderen helfen.“

Julien Backhaus ist ein Fan davon, Worte so zu meinen, wie er sie sagt. Mit dem Wort ‚Egoismus‘ hatte er ein Problem: ‚Es war mir nicht treffend genug, zu missverständlich und zu negativ belastet. Also habe ich den Begriff einfach in meinem neuen Buch aufgeteilt – in gute und schlechte Egoisten.‘ Die Guten brauchen wir, gerade jetzt zu Corona-Zeiten, sagt er und weiß, dass er erklären muss. ‚Ein guter Egoist ist nicht der, der Oma die letzte Klopapierrolle vor der Nase wegschnappt. Es ist der, der seinen Bestand aus dem Keller kramt, ihn erfolgreich unter Menschen bringt und davon auch selbst profitiert.‘ Oder der, der trotz regionaler und globaler Unsicherheiten genau jetzt Leute einstellen will und kann, weil er ein sicher aufgestelltes Unternehmen führt. So wie Julien.


Volker Eichler, Marktbereichsleiter Sparkasse Rotenburg Osterholz

Unsere Bank lässt niemanden sitzen.

Sichert den engen Draht zu Kunden, am Telefon und digital.

„Bei Fragen sind wir für alle da, nach wie vor. Daran ändert auch Corona nichts.“

Dass sie die Türen der Sparkassen-Geschäftsstelle hier am Pferdemarkt auf Zeit schließen müssen, das war für ihn außerhalb seiner Vorstellungskraft. Das war, im Grunde, ausgeschlossen. Volker Eichler nimmt kein Blatt vor den Mund. ‚Ich habe auch schon die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in 2001 miterlebt, aber dass nun so etwas kommt, das beschäftigt mich schon intensiv. Uns alle.‘ Seit 35 Jahren ist er Sparkassenmann, hat hier gelernt, kennt die Stadt und die Menschen – und das gut.


Rolf Ludwig, Sportfunktionär & Geschäftsmann

Venezia-Runde per Videochat.

Findet immer Wege, um Sport und Menschen zu erreichen.

„Tja – jetzt habe ich die große Abschiedsfeier gegeben und bin doch weiter Vorsitzender.“

Irgendwann ist es an der Zeit, den Staffelstab weiterzureichen. Für jeden. Auch, wenn’s schwerfällt. Rolf Ludwig dachte, nach 60 Jahren intensiver Vereinsarbeit in Rotenburg sei der Moment für ihn gekommen. So richtig glauben konnte es ihm keiner und siehe da, Corona schickt ihn in die Verlängerung: keine Versammlung, keine Vorsitzabgabe. ‚Das wird sich regeln, sobald es wieder geht und sowohl der TuS als auch die ARS sind bestens aufgestellt. Kein Problem‘, bewertet der Langzeit-Vorsitzende die Lage. Und schwelgt gern in Erinnerung an seine emotionale Abschieds-Sportgala, die im Februar noch live und in Farbe regionale und internationale Akteure, Freunde und Gäste in der Pestalozzihalle zusammenbrachte.


Jutta Wendland-Park, Geschäftsführerin Rotenburger Werke

Hat Verantwortungsgefühle.

Für sie stehen Menschen immer an erster Stelle.

„Wir tun gerade alles Menschenmögliche, um unsere Bewohner vor der Krankheit zu schützen.“

Frankreich, Italien, New York – was man da sieht und hört, bricht einem doch das Herz, sagt Jutta Wendland-Park. Je mehr Unsicherheit und Viren sich verbreiten, je größer die potenzielle Gefahr für ihre über 1.000 ‚Schützlinge‘ zu sein scheint, desto größer wird auch ihre Verantwortung, die sie ganz bewusst und voller Kraft trägt. Sie klingt entschlossen. ‚Wir wollen verhindern, dass sich jemand von unseren Bewohnern infiziert‘, sagt die Geschäftsführerin der Rotenburger Werke. ‚Unbedingt.‘


Antje & Anja Doil, „Stück vom Glück“ Unverpackt-Laden

Sind gern plastikfrei.

Machen sich die Welt, wie sie ihnen besser gefällt.

„Es ist jetzt keine Zeit für: ‚Das machen wir schon immer so‘.“

Ein fürchterlicher Satz, findet Antje Doil. Den fand sie schon immer schlimm. Ihre Schwester Anja Doil nickt heftig, runzelt die Stirn und schaut drein, als hätte ihr gerade jemand einen Eimer Plastikmüll direkt vor die Füße gekippt. ‚Geht gar nicht.‘ Dass die beiden Existenzgründerinnen gern anders an die Dinge gehen, die sich im Alltag vieler Menschen hartnäckig eingeschlichen haben, zeigt bereits ihr Geschäftsmodell: Die Welt hat lang genug gebummelt, finden die beiden – sie eröffnen in Rotenburgs Fußgängerzone einen Laden ohne Plastikverpackungen. Ohne überflüssige Umweltverschmutzung, ohne Klimawandel-Beschleuniger, ohne ‚Das ist halt alles so‘-Attitüde, dafür mit ganz viel Herz und Verstand. Ab Ende April heißen sie uns alle willkommen, in ihrem und unserem ‚Stück vom Glück.‘