Zum Hauptinhalt springen
Veröffentlicht am: 29. Mai 2026, Text & Fotos: klar Werbeagentur
Jordi Jürges, Gründer energyforlife

Unter Strom

Seit 5 Jahren. Achtet heute auch aufs eigene Energiesystem.

„Wir waren mit EFL im Himmel und in der Hölle.“

Wer Jordi Jürges gegenübersitzt, merkt schnell: Hier spricht jemand, der in den vergangenen Jahren viel erlebt – und viel daraus für sich mitgenommen hat. Als Jungunternehmer hat der Rotenburger für viel Wirbel in der Region gesorgt. Und in den ersten 5 Jahren mit energyforlife schon mehr durchgemacht, als manch anderer Unternehmer in seiner gesamten Laufbahn.

Auf berufliche Zeiten im absoluten Himmel folgten Monate in der Hölle. Heute steht EFL da, wo er es sich gewünscht hat: mit guten Zahlen, stabilem Fundament, starker Zukunftsvision. Doch der Weg dahin kostete ihn Energie. Viel Energie.

Im Gespräch ist Jordi uns reflektiert, offen und schonungslos ehrlich begegnet. Aber, lest selbst.

„Mir fehlte in meinem Job die Wertschätzung.“

Warum gründet man so jung, am Anfang der eigenen Karriere, ein eigenes Unternehmen? Jordi blickt zurück, und erinnert sich an seine Unzufriedenheit im Angestellten-Job. „Ich habe in der Küchenbranche als Kaufmann gearbeitet – Vertrieb und Kundenkontakt gefielen mir auch. Nur mein Chef und seine fehlende Wertschätzung, das passte für mich nicht.“

Dass es direkt ein eigenes Unternehmen wird, wusste Jordi zu Beginn gar nicht. Mit seinem Partner und Freund, mit dem er energyforlife Anfang 2021 ins Leben rief, war der erste große Plan: Selbstständigkeit. Vertriebspartner sein. Photovoltaik, denn damit kannte sein Partner sich gut aus. „Es gab aber keine Produkte und Anbieter am Markt, die wir mit unseren Werten und Vorstellungen vertreten konnten. Also dachten wir, okay – machen wir’s selbst und gründen!“

„15-Stunden-Tage haben sich nicht wie Arbeit angefühlt.“

Euphorie lag in der Luft. Beide Partner – frei von großen Verantwortungen wie Familie oder Hauskrediten – legten los. Voller Energie, voller Ideen. Nach einigen Monaten brachten 2022 die steigenden Energiepreise durch den Krieg in der Ukraine einen „Boom“ ins Anfragen-Geschäft.

„Ab da wurde es wild“, sagt Jordi knapp. Er ergänzt: „Und im Nachhinein muss ich sagen, darauf waren wir niemals vorbereitet. Das war kein gesundes Wachstum.“ Alles ging schnell, höher, weiter in den Monaten und Jahren darauf. Jordi erzählt, mit hochgezogenen Augenbrauen: „Wir haben plötzlich bis zu 50 PV-Anlagen im Monat verkauft. Und um die 5 neuen Mitarbeitenden pro Monat ins Team geholt, ohne das groß zu regulieren, wir brauchten einfach Leute.“ 2023 der Höhepunkt, mit einem Jahresumsatz im zweistelligen Millionenbereich.

15-Stunden-Tage waren keine Seltenheit, sondern die Regel. Geregelt lief es aber nicht ab…

„Es war zu viel auf einmal – und wir bekamen die Rechnung.“

Monate im Überfluss. Ein Erfolg, bei dem alle staunen, denen es erzählt wird. Jordi: „Wir haben in der Zeit natürlich insgesamt polarisiert – ich verstehe, dass das bei manchen Leuten übel aufgestoßen ist.“ Und, der Wendepunkt schlich sich ungebeten durch die Hintertür: Liquiditätsprobleme. „Hätten wir mehr unternehmerische Erfahrung und eine Steuerberatung mit Betonung auf Beratung gehabt, hätten wir das abwenden können. Hatten wir aber nicht.“

Nach außen mussten Jordi und sein Partner das Lächeln bewahren. Selbstbewusst wirken, fürs Unternehmen durchhalten. Bekamen 2023 sogar feierlich den Rotenburger Wirtschaftspreis verliehen. Kurz darauf sickerte die Schieflage des Unternehmens dann regional durch. Und Jordi fand sich auf dem Boden der Tatsachen wieder. Stand auf und ging ins Krisenmanagement.

„Kommunikation ist alles – in guten und in schlechten Zeiten.“

Aus heutiger Sicht ist Jordi eines in seinem Unternehmen am wichtigsten: Struktur. Nicht höher, schneller, weiter. Sondern Fundament. Er hat gelernt, nur so bleiben Erfolg und Energiefluss konstant. Auf die harte Tour. Inzwischen ist EFL ergänzt worden, durch H&T Energie. Jordi führt beide Unternehmen, zusammen mit Mathis Thoden, und blickt positiv in die Zukunft. Zusammen mit neoom sind sie ein Trio der Energiewende.

„Mein alter Partner hat sich neuen Themen gewidmet“, erklärt Jordi. Ganz so leicht, wie es in seinem Satz klingt, war der Übergang aber nicht. Die Monate dazwischen, ohne Partner an seiner Seite, waren kräftezehrend. „Ich habe alles mit mir selbst ausgemacht.“ Trotzdem hat Jordi immer, auch in den schlechten Zeiten, nach außen gezeigt: „Wir sind da. Man kann mit uns sprechen. Wir verstecken uns nicht vor der berechtigten Kritik. Das war richtig, glaube ich.“

„Mein Kopf war bei der Arbeit, mein Körper eine Hülle.“

Jordi und engeryforlife, energyforlife und Jordi – unzertrennbar. Für die Firma hat der Rotenburger sein Bestes gegeben. Alles gegeben. Rund um die Uhr. „Ein Privatleben hatte ich über Jahre nicht bzw. ist es daran kaputtgegangen“, resümiert Jordi unverblümt. Weiß, dass er Menschen, Freunde, Familie damals enttäuscht hat, teils verloren hat, die ihn unterstützen wollten. „Ich habe zwar versucht, mich zu öffnen und mich mit Leuten getroffen, aber meine Gedanken kreisten nur um die Firma.“ Er war anwesend und abwesend.

Nachdem er energyforlife in den vergangenen zwei Jahren zu gesünderen Strukturen verholfen hat, ist jetzt das Leben nach Feierabend dran. „Gerade war ich zum ersten Mal seit 5 Jahren mit meiner Partnerin im Urlaub, ohne den Laptop und die Arbeit mitzunehmen. Das war ungewohnt, aber tatsächlich, es geht“, sagt Jordi und schaut ehrlich überrascht. Trotz des Spannungsfeldes zwischen Unternehmertum und Privatleben – möchte er sich seine Energie künftig einteilen.

 

Was Jordi Jürges noch bewegt:

In Rotenburg verwurzelt. Bis auf ein, zwei „Ausreißer-Jahre“ ist Jordi immer in der Region geblieben. „Ich bin hier zuhause, familiär gebunden – im positiven Sinne. Es gibt mir Kraft." Er möchte Rotenburg etwas zurückgeben, als Arbeitgeber Perspektiven schaffen und mitgestalten.

„Ich bin meinem Vater sehr dankbar.“ Selbst jahrzehntelang selbstständig, hatte Jordis Vater immer ein offenes Ohr für ihn und hat seine unternehmerische Reise von Anfang an supportet. „Auch wenn ich manches allein durchmachen musste oder wollte – er war immer für mich da.“

Das Engagement seines Teams. „Ohne unsere Kollegen im Team wären wir heute nicht da, wo wir jetzt sind. Das ist mal klar“, stellt Jordi fest. Im Gegenzug Wertschätzung zu zeigen, ist ihm wichtig. Gerade, weil sie ihm selbst damals, im Angestelltenverhältnis, komplett fehlte.

 

Wir danken Jordi Jürges für seinen Blick auf die Dinge.

Mit ROWgional schaffen wir uns ein regionales Ventil. Werde auch du Teil unseres Projektes oder schlage jemanden aus Rotenburg (Wümme) und umzu vor, dem wir Gehör verschaffen sollten. Wir freuen uns auf deine Nachricht.